Funktionelle Ästhetik: Werte der Zeit
Die Konstruktion des Uhrwerk-Kalibers 100.0, das
die Benu mit einem transparenten Boden sichtbar
macht, genügt nicht nur allen funktionellen Not-
wendigkeiten sondern ist auch eine Augenweide für
jeden Uhrenkenner. Die 2/3-Platine aus Neusilber –
eine Besonderheit für Glashütter Taschenchrono-
meter – ersetzt der besseren Stabilität wegen diverse
Brücken. Typisch für die Grossmann’sche Platine
sind die geraden Kanten und ein deutlich ausge-
schnittener Bogen, der die markante Schrauben-
unruh in voller Größe und Schönheit zeigt.
Die Unruh und die Aufzugsräder sind im optischen
Gleichgewicht zueinander angeordnet. Den Zwischen-
raum füllen drei verschraubte Goldchatons, deren
Lagersteine als Saphire weiß glänzen. Die sichtbaren
Schrauben sind natürlich angelassen, sie schimmern
in Braunviolett.
Das bloße Auge nimmt die Werkmechanik als
funktionelles Kunstwerk wahr. Polituren, Strich-
und Sonnenschliffe sowie ein breiter Glashütter
Streifenschliff veredeln die Teile, auch die Schrift-
gravur wird jedes Mal von Hand ausgeführt.
Neusilber, Stahl, das Braunviolett der Schrauben,
das Gold der Chatons und des großen Unruhreifs
sind eine klassisch unaufdringliche Komposition
natürlicher Materialfarben. Wer die Lupe zur Hand
nimmt, freut sich nicht nur an fein bearbeiteten
Oberflächen und gebrochenen, hochglänzenden
Kanten, sondern kann auch den Blick über die
verschiedenen Ebenen des Werkes schweifen lassen.
Für die Verbindung des Räderwerkes mit dem Schwingsystem der Uhr ist eine klassische Ankerhemmung verantwortlich. Dieses in fast allen mechanischen Uhren vorkommende Hemmsystem wurde in Anlehnung an Überlegungen des bekannten Glashütter Regleurs Hugo Müller (1863 bis 1945) modifiziert. Die Begrenzungsstifte wurden von der Ankergabel weg zum Ankerkörper hin verlegt, wodurch die Begrenzung am massiveren Teil erfolgt.
Die klassische Schraubenunruh arbeitet mit einer Nivarox-Spirale zusammen, deren Endkurve einst der Regleur und Chronometermacher Gustav Gerstenberger (1886 bis 1983) in Glashütte berechnete. Sie absolviert traditionelle 18.000 Halbschwingungen in der Stunde, das entspricht einer Frequenz von 2,5 Hertz. Die Spirale wird innen mit einem Viertelbogen aufgebogen und mit einem Stift an die klassische Rolle gesteckt. Auf den heute üblichen verstellbaren Klötzchenträger wird zu Gunsten einer stabilen Befestigung des Spiralklötzchens verzichtet.
Schwingsystem und Hemmung werden von zwei handgravierten Kloben getragen: Die Unruh mit Spirale vom großen gestuften Unruhkloben mit der Grossmann‘schen Feinregulierschraube und das Ankerrad von dem kleineren gegenüber. Ein dritter, sonnengeschliffener Kloben hält den Anker. Er ist bewusst klein gehalten, um den Blick auf die Hemmung nicht zu verstellen.
Die Benu trägt ein Reguliersystem mit Rücker, das die Uhr ohne Störung des Gleichgewichtes im Schwingsystem sekundengenau nachregulieren lässt. Die Grossmann‘sche Feinregulierschraube erlaubt ein spannungsfreies Feinstellen des Rückers in beide Richtungen.
Zum Exakten Einstellen der Uhrzeit wird mit dem Ziehen der Aufzugskrone der Sekundenzeiger angehalten. Diesen Sekundenstopp bewirkt eine fest montierte Feder, die mit einem Stift das Schwingsystem am Umfang der Doppelrolle arretiert.
Ein modifiziertes Glashütter Gesperr sichert die Spannung der Zugfeder. Nach der Aufzugsbewegung gestattet es dem Sperrrad, etwas zurückzugehen und die Zugfeder leicht zu entspannen. Die Grossmann’schen Uhrmacher realisieren diesen Rücklauf mit einem Langloch, in dem die Sperrklinke mit einem Stift gleitet.
Zwei formschön geschwungene Pfeiler – eine kleine Reminiszenz an Grossmanns alte Taschenuhren – und die separat herausnehmbare Aufzugspartie – eine Weiterentwicklung des Glashütter Kupplungsaufzuges – stützen die Platinen.
Die Aufzugsräder tragen eine polierte Kantenbrechung in der Verzahnung, die den Teilen die höchste Brillanz verleiht. Das Sperrrad als größtes dieser Räder ist zusätzlich mit einem traditionellen dreistufigen Sonnenschliff dekoriert und fügt sich so harmonisch in das Gesamtbild der breiten Streifen und der Handgravur ein.
Die Lagersteine – weiße Saphire – sind in hervorstehenden Goldchatons eingefasst. Gemeinsam mit den aufgesetzten, braunviolett angelassenen Stahlschrauben überragen sie die Platinenoberfläche. Damit orientiert man sich am Vorbild alter Grossmann-Taschenuhren und erreicht, dass die Lagersteine einzeln entnommen und gereinigt werden können, ohne die Platine bei der Montage zu beschädigen.
Kaliber 100.0 für BENU Platin
Die aufgesetzten Schrauben fassen die Goldchatons ein, sie werden in der gleichen braunen Farbe angelassen wie die Zeiger auf dem Zifferblatt.
Die braun angelassene Kehlung des Rückerfutters und die vergoldete Stoßsicherung wiederholen das Farbspiel der verschraubten Goldchatons.














